Unserer Geschichte:

Von der Vereinsgründung 1845 bis zum 80jährigen Jubiläum.

Von der Vereinsgründung 1845 bis zum 80jährigen Jubiläum.

Als Gründungstag der Turngemeinde Friedberg muss der 22. Juni 1845 gelten, als von neun jungen Friedbergern folgender Aufruf zur Gründung eines Turnvereins erging:

"Freunde! Einen Tag haben wir heute erlebt, freudig in der Erscheinung, ernst und wichtig in seinen Folgen. Diesen Tag haben uns Hanaus und Offenbachs Turner verliehen und uns dadurch Veranlassung gegeben, in ein neues Stadium geistiger und körperlicher Entwicklung einzutreten. Wenn es einzig und allein Zweck jener Freunde war, auch hier die Turnkunst in Anregung und Aufnahme zu bringen und uns den Weg zu zeigen, mit gesundem Geist auch einen kräftigen Körper zu vereinigen, so können wir jenen würdigen Bestrebungen keinen anderen Dank wissen, als diesen Tag mit inniger Liebe und Freude zu begrüßen, ihn in seiner Wirkung mit der Gründung eines Turnvereins zu krönen und jenen Freunden und Nachbarn den Beweis zu liefern, wie auch wir, empfänglich für das Nützliche und Schöne, würdig sind, ihnen als Brüder zur Seite zu stehen. Geben sich nun Unterzeichnete mit festem Vertrauen der schönen Hoffnung hin, auch hier in Friedberg baldigst einen Turnverein ins Leben gerufen zu sehen, so schließen dieselben mit der Bitte, Gleichgesinnte und Freunde des Turnens zur Teilnahme an einem zu stiftenden Verein zu ihrer Unterschrift hiermit aufzufordern.
Friedberg, den 22. Juni 1845.
L. Bernhardt, K. Hoffmann, H.K. Weber, H.J. Simon, K. Fritz, F.A. Wagner, J. Bechstein II, A. Faatz."

Der Erfolg unter den Friedberger jungen Männern war groß. Am 24. Juni 1845 fand bereits eine Versammlung statt, auch wurde der Turnbetrieb sofort aufgenommen. Bereits am 30. Juli 1845 wurde beschlossen, an den Vereinsabenden auch den Gesang zu pflegen. Damit war die Gesangsabteilung der Turngemeinde ins Leben gerufen, die dann im Laufe der Jahrzehnte segensreich für die Turngemeinde, für die Pflege des deutschen Liedes und für die Stärkung des Gemeinsinns und der Kameradschaft gewirkt hat.
Aus der Festschrift von 1925 erfahren wir, dass am 3. Juni 1847 die Frauen der Mitglieder dem jungen Verein eine Fahne gestiftet haben, die durch die Jahrzehnte hindurch bei freudigen und ernsten Ereignissen die Friedberger Turner begleitet hat.
In den Zeiten politischer Wirren (1851) musste die Fahne versteckt gehalten werden - der mündlichen Überlieferung nach im Schornstein einer Bäckerei.
Als 1948 Dr. Walter Kolb, der Oberbürgermeister von Frankfurt a.M., 1. Vorsitzender der Deutschen Turnerschaft wurde, wünschte er, dass jeweils zwei der ältesten Turnerfahnen sein Arbeitszimmer schmücken. Am 8. Mai 1954 nahm Dr. Kolb die Fahnen der Turngemeinden Bockenheim und Friedberg für ein Jahr in seine Obhut. Heute wird die Fahne im Wetterauer Museum in Friedberg aufbewahrt.

Das historisch gewachsene Misstrauen der Regierenden gegenüber der Turnbewegung als Trägerin freiheitlichen Geistes war, als die Turngemeinde ins Leben gerufen wurde, noch lange nicht überwunden. So musste auch die Turngemeinde zwei Jahre nach ihrer Gründung in den Jahren 1847/1848 eine Verbotszeit hinnehmen, die allerdings durch die sofortige Gründung des "Bürgervereins Harmonie" geschickt überbrückt wurde.
Die politischen Vorgänge im Frühjahr 1848 - Übergreifen der Pariser Februarrevolution nach Deutschland - führten dazu, dass auch in Hessen ein liberales Ministerium an die Stelle eines reaktionären trat. So konnte das Vereinsleben sich wieder frei entfalten und am 6. März 1848 wurde der "Bürgerverein" wieder in die Turngemeinde zurückverwandelt.
Wie sehr sich die Zeiten geändert hatten, bewies der Besuch des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn in Friedberg im September 1848. Wir lesen über dieses Ereignis in der Friedberger Chronik von Christian Waas: "Am 3. (oder 10.) September kommt Turnvater Jahn von Frankfurt aus zum Besuch der Friedberger Turner. Er besichtigt das Turnen auf der Seewiese und nimmt das Mittagessen in den "Drei Schwertern" ein".

Doch sollte die Freude über die Freiheit des Vereinslebens nicht lange dauern. Da die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1848/49 weder die politische Einheit des deutschen Volkes noch den Parlamentarismus verwirklichen konnte, stellten sich viele Mitglieder der Turnvereine in den Dienst der Opposition. Auch in Friedberg ist damals die Parteipolitik in den Turnverein getragen worden.
G. Thierolf schreibt zu diesen Vorgängen: "Mit der Übernahme politischer Ziele war die Kraft des Vereins gebrochen."


1851 stellte die Turngemeinde ihre Tätigkeit ein und wurde erst wieder am 7. Juli 1858 zu neuem Leben erweckt, und zwar, wie es in der Chronik von Waas heißt, "mit behördlicher Genehmigung der Satzung, unter Ausschluss aller Politik. Bald zählte der Verein wieder 35 ordentliche und 31 außerordentliche Mitglieder."

Von nun an sehen wir die Turngemeinde Friedberg sich ohne Rückschläge aufwärts entwickeln. Sie widmet sich ihrer Aufgabe der körperlichen Ertüchtigung ihrer Mitglieder im Sinne der Jahn‘schen Überlieferung. Auch kam die Turngemeinde Friedberg dank der hervorragenden Vereinsarbeit ihrer leitenden Männer und dank der Turnbegeisterung ihrer Mitglieder bald zu einem hohen Ansehen in der Reihe der hessischen Turnvereine und der Deutschen Turnerschaft.

Die für die Vereinsgeschichte wichtigsten Ereignisse der Zeit von 1858 bis 1925 sollen in der vorliegenden Festschrift nur in Kurzfassung angeführt werden.

Im Juni 1860: Beteiligung am 1. Deutschen Turnfest in Coburg.
Im Jahre 1862 appelliert der Stadtvorstand an die Friedberger Turner, sich bei der Feuerwehr zu beteiligen. "Man rechnet damit, dass die Turner eine Spritze bedienen und ein Steiger- und Retterkorps stellen." So entstand die Turnerfeuerwehr. Im Jahre 1869 wurde sogar beschlossen, dass jeder Turner der Feuerwehr beitreten müsse, so dass der Chronist Chr. Waas sagen konnte: "Die Friedberger Turner bilden die Kernmannschaft der Feuerwehr. 1879 vereinigten sich dann die Turnerfeuerwehr und die Bürgerfeuerwehr. Damit wurde die Freiwillige Feuerwehr Friedberg ins Leben gerufen, wie sie heute besteht."
Am 25. Oktober 1863: Einweihung der Turnhalle in der Ockstädter Straße, einer der ältesten vereinseigenen Turnhallen in Deutschland.
Im Juni 1864: 1. Gau-Turnfest in Friedberg.
Im Juli 1875: 5. Gau-Turnfest in Friedberg.
Im Februar 1876: Neugründung der Gesangsabteilung.
1876 -1890: Der erste Sprecher Carl Trapp, damals "die geistig führende Persönlichkeit in der Friedberger Turnerschaft", führte die Turngemeinde zu neuer Blüte, denn er verfolgte unermüdlich das große Ziel, das Turnen im Sinne Jahns zur Volkssache zu machen; also mehr Breitenarbeit und Ablehnung jeder Rekordsucht, die Carl Trapp als "Zirkus-Turnerei" bezeichnete.
Im Juni 1895: Feier des 50jährigen Jubiläums der Turngemeinde.
Im Juni 1899: 26. Gau-Turnfest in Friedberg.

Im Juni 1899: 26. Gau-Turnfest in Friedberg.

Im Jahre 1910 entstand eine Turnerinnenabteilung, und die "Spielriege" erweiterte sich zu einer "Spielabteilung".
Das Jahr 1912 brachte die Einrichtung einer Schüler- und einer Wanderabteilung.
Im Ersten Weltkrieg 1914-1918 ruhte das Vereinsleben auch in der Turngemeinde fast vollständig. Die meisten Mitglieder standen im Felde, die Turnhalle war von der Militärverwaltung in Anspruch genommen.
Im Juni 1920 wurde der 75. Geburtstag der Turngemeinde mit akademischer Feier, Festzug und turnerischen Veranstaltungen festlich begangen.
Im Mai 1921 stellte die Turngemeinde Friedberg zehn Siegerinnen beim Gau-Frauenwetturnen in Marburg. Im gleichen Monat wurden in Friedberg die Gau-Verbandsmeisterschaften im Faust- und Schlagball ausgetragen.
1922 schickte die Turngemeinde sechs Jugendturner zum ersten Jugendtreffen der Deutschen Turnerschaft in Weimar. Aus dieser Begegnung ging dann in Friedberg eine Turnerjugend hervor, die in der Deutschen Turnerschaft als besonders aktiv bekannt wurde.
1922: Gründung der Schwimmabteilung.
In der Inflationszeit war das Vereinsleben zwar stark behindert, hat aber keineswegs vollständig geruht. So bewarben sich im Jahre 1923 zum ersten Male Mitglieder der Turngemeinde um das vom Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen gestiftete Turn- und Sportabzeichen. Zu den erfolgreichen Bewerbern gehörten Luise Schwarz, Adolf Schmalz, Georg Reinhard und Werner Trapp. Der erste Friedberger Turner, der das Goldene Turn- und Sportabzeichen erwarb, war Oberturnwart Heinrich Jöckel. Ein Höhepunkt in der Geschichte der Turngemeinde war das 13. Deutsche Turnfest in München im Juli 1923, das von 51 Mitgliedern der Turngemeinde besucht wurde. Das Festabzeichen kostete 750 Mark, die Fahrt 72.000 Mark, das Maß Bier am ersten Festtage 3.000 Mark, am letzten 8.000 Mark.
Für die Pflege des Gesanges und der Jugendarbeit entstand unter der tatkräftigen Hilfe der Mitglieder ein Anbau an die Turnhalle. Die Einweihung fand am 11. Oktober 1924 statt.

Ein weiterer Höhepunkt war das 52. Gau-Turnfest des Gaues Hessen (heute Landesturnfest), das anlässlich des 80jährigen Bestehens am 27.-29. Juni 1925 in Friedberg mit weit über 1.000 Teilnehmern stattfand.
Mit Abteilungen für Turner und Turnerinnen, für Faustball, Fechten, Wandern und Schwimmen, mit einer Jugend- und einer Gesangsabteilung, mit einer Gesamtmitgliederzahl von rund 700 bewies die Turngemeinde im 80. Jahre ihres Bestehens den ernsten Willen, in Friedberg an erster Stelle an der Pflege der Leibesübungen mitzuwirken.
Die Turngemeinde ist in den 80 Jahren von 1845 bis 1925 einen an Erfolgen reichen, manchmal auch dornigen Weg gegangen. Im Ganzen gesehen hat sich aber das Wort bewahrheitet, mit dem Georg Thierolf seine Vereinschronik in der Festschrift von 1925 abschloss:

"Vorwärts und aufwärts!"

 

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